
Reply-Chain-Angriffe: Wenn Vertrauen im E-Mail-Verlauf zur Gefahr wird
Würden Sie bemerken, wenn mitten in einem laufenden E-Mail-Verlauf plötzlich ein Fremder mitschreibt?
Genau darauf setzen sogenannte Reply-Chain-Angriffe. Dabei handelt es sich um eine besonders raffinierte Angriffsmethode, bei der Cyberkriminelle echte E-Mail-Konversationen übernehmen, um vertrauliche Informationen oder Zahlungen zu erschleichen.
Das Gefährliche daran: Der Angriff beginnt nicht mit einer neuen, verdächtigen E-Mail – sondern genau dort, wo niemand Misstrauen erwartet: in einer vertrauten Unterhaltung.
Aktuelle Lage: Angriffe aus dem laufenden E-Mail-Verlauf
Moderne Cyberangriffe starten immer häufiger innerhalb bestehender Kommunikation. Statt auffälliger Betreffzeilen oder unpersönlicher Mails sehen Empfänger bekannte Namen, echte Gesprächsverläufe und scheinbar vertraute Inhalte.
Der gewohnte Kontext vermittelt Sicherheit und senkt unbewusst die Aufmerksamkeit.
Wie ein Reply-Chain-Angriff abläuft
Typischerweise kompromittieren Angreifer zunächst ein legitimes E-Mail-Konto, etwa das eines Partners, Dienstleisters oder internen Mitarbeitenden.
Anschließend antworten sie innerhalb eines echten Mailverlaufs. Häufig greifen sie dabei auf originale Inhalte zurück: frühere Nachrichten, bekannte Formulierungen oder bestehende Dateianhänge. Für den Empfänger entsteht der Eindruck, eine Konversation fortzusetzen, an die er sich erinnert.
Die kritische Nachricht fällt nicht auf – sie wirkt vertraut.
Wie Vertrauen gezielt ausgenutzt wird
In solchen kompromittierten E-Mail-Verläufen tauchen plötzlich Anfragen auf wie:
- „Hier die aktualisierte Kontoverbindung.“
- „Bitte die Zahlung heute noch freigeben.“
- „Wie besprochen, siehe Anhang.“
Diese Inhalte wirken harmlos, weil sie in eine echte, bekannte Kommunikation eingebettet sind. Der Absender ist real, der Betreff vertraut, der Verlauf authentisch.
Echter Verlauf + vertrauter Kontext = maximales Vertrauen.
Warum Reply-Chain-Angriffe so gefährlich sind
Reply-Chain-Angriffe sind besonders schwer zu erkennen, weil sie auf klassische Phishing-Merkmale verzichten:
- Der E-Mail-Verlauf ist authentisch
- Die beteiligten Personen sind real
- Die Anfrage wirkt wie ein normaler Geschäftsprozess
- Es gibt kein typisches „Phishing-Gefühl“
Genau das macht diese Angriffe so erfolgreich und so gefährlich.
Was Unternehmen tun sollten
Da sich Reply-Chain-Angriffe technisch nicht vollständig verhindern lassen, ist ein mehrschichtiger Ansatz entscheidend:
- Finanzfreigaben niemals allein aufgrund einer E-Mail erteilen
- Mitarbeitende sensibilisieren, auch in vertrauten Mails kritisch zu bleiben
- Feste, bekannte Prozesse nutzen, statt spontane E-Mail-Anweisungen zu befolgen
- Leistungsfähige E-Mail-Filter einsetzen, die verdächtige Muster frühzeitig erkennen und blockieren
Technische Schutzmaßnahmen und informierte Mitarbeitende ergänzen sich. Denn erst gemeinsam entsteht wirksame Sicherheit.
Fazit
Vertrauen Sie nicht nur Absender oder Betreff.
Prüfen Sie immer den Kontext – besonders dann, wenn eine E-Mail vertraut wirkt.
Denn genau dort setzen moderne Angriffe an.